Windows-Programme für Linux als Debian-Paket packen und ausführbar machen

Ab und zu ist es erforderlich, Programme zu nutzen, für die es keine Linux-Versionen gibt. In diesem Fall ist es möglich, die Windows-Version einer Anwendung mit der Windows-kompatiblen Laufzeitumgebung wine zu nutzen.

Ab und zu ist es erforderlich, Programme zu nutzen, für die es keine Linux-Versionen gibt. In diesem Fall ist es möglich, die Windows-Version einer Anwendung mit der Windows-kompatiblen Laufzeitumgebung wine zu nutzen. wine stellt dabei die für die Ausführung von Windows-Programmen erforderlichen dynamischen Programmbibliotheken (Dynamic Link Libraries) zur Verfügung, sodass eine Windows-Binärdatei auch unter Linux gestartet werden kann. Zudem stellt wine auch eine Windows-Registry zur Verfügung, da diese von manchen Windows-Anwendungen erfordert wird.

Um Windows-Programme möglichst komfortabel auch auf Linux-Systemen nutzen zu können, bietet es sich an, diese in ein Linux-AppImage zu packen. Das AppImage ist ein komprimiertes Dateisystemabbild, das alle für die Ausführung eines Programms erforderlichen Abhängigkeiten enthält, sodass die Anwendung auf jedem Linux-System ohne Installation ausgeführt werden kann. In dem Fall der Windows-Anwendung enthält das AppImage die ausführbare Windows-Datei vom Typ exe sowie die Windows-kompatible und für das Programm passend konfigurierte Laufzeitumgebung wine. Macht man einen Doppelklick auf das AppImage, so wird das Windows-Programm mit wine gestartet und man kann es nutzen.

Da in dem AppImage nicht nur die Anwendung als solches, sondern auch noch die wine-Laufzeitumgebung mit allen Abhängigkeiten enthalten ist, wird ein solches AppImage leider recht groß. So wächst dann zum Beispiel eine Windows-exe von etwa 40 MB auf über 100 MB an.

In einem weiteren Schritt muss man das AppImage dann in ein Debian-Installationspaket packen, damit man es einfach auf einem Linux-System installieren kann und die Programmstarter automatisch im Anwendungsmenü erzeugt werden.

Im Detail geht man wie folgt vor:

  • Man muss dann das AppImage in deb-Paket packen. Dabei kann man wie von mir hier beschrieben vorgehen.

Leider funktioniert diese Vorgehensweise nicht generell für alle Windowsanwendungen. Vor allem funktioniert diese Vorgehensweise nicht für Anwendungen, die Microsoft .NET nutzen. Mir ist es aber vollkommen problemlos gelungen, Qt-basierte Windows-Anwendungen auf diese Weise zu packen.

Benutzung von Joplin: Formeln

Für den naturwissenschaftlichen Unterricht ist es häufig erforderlich, Formeln zu schreiben. Joplin unterstützt das Setzen von Formeln mit TeX-Syntax. Chemische Reaktionsgleichungen können zudem mit mhchem in Joplin gesetzt werden.

Eine ausführliche Anleitung gibt es hier.

Unterschied zwischen Markdown- und Vorschauansicht in Joplin
Das Bild zeigt Joplin in der geteilten Ansicht mit dem Markdown-Fenster auf der linken und dem Vorschaufenster auf der rechten Seite. Klickt man auf den rot hervorgehobenen Button, so wechselt Joplin in den WYSIWYG-Editor. Das bedeutet, dass man den Text, so wie er tatsächlich aussieht (wie z.B. in einem Textverarbeitungsprogramm) bearbeiten kann.
Das ist dieselbe Seite im WYSIWYG-Editor.

Möchte man eine mathematische Formel eingeben, so geht dieses am einfachsten in der geteilten Ansicht. Die in den Abbildungen dargestellte Formel gibt man in TeX-Syntax beispielsweise so ein:

$$
h\cdot f = -13,6\ \text{eV}\cdot (Z-1)^2 \cdot \left(\frac{1}{n^2}-\frac{1}{1^2}
\right)

$$

Durch die doppelten Dollarzeichen wird der Beginn und das Ende der TeX-Formel gekennzeichnet.

Unterricht mit Joplin organisieren

Joplin

Unser „GBG-Linux“ wird in der Version für die Lehrkräfte eine Software namens Joplin enthalten, mit der man Unterricht in Notizbüchern organisieren und vorbereiten kann, ähnlich wie in der Software Microsoft OneNote.

In Joplin kann man sehr einfach Dateien einfügen, die dann auch in den Notizbüchern gespeichert und synchronisiert werden. Ein großer Vorzug von Joplin ist, dass es möglich ist, die Notizbücher samt der enthaltenen Arbeitsblätter auf dem IServ über das Webdav-Protokoll zu speichern. Auf diese Weise kann man unterschiedliche Installationen von Joplin beispielsweise auf einem Privatrechner und auf einem Smartphone (Joplin gibt es als App für iOS und Android) synchron halten. Zugleich tut man der DSGVO genüge, da Daten nur auf dem schulischen Server gespeichert werden und zu keinem Zeitpunkt an Dritte gelangen. Außerdem kann man mit Joplin auch eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nutzen.

Digitale Mitschriften lassen sich dann auf den GBG-Linux-Geräten mit der Software xournal++ anfertigen und in die in Joplin organisierten Notizbücher integrieren. Das folgende Video zeigt, wie ein solcher Arbeitsfluss auf einem GBG-Linux-Gerät aussehen könnte.

Arbeitsfluss mit Joplin

Joplin unterscheidet sich von Microsoft OneNote in der Hinsicht, dass Joplin standardmäßig in einer geteilten Ansicht startet, die aus einem Markdown– und einem Vorschaufenster besteht. Man kann aber auch durch einen Mausklick in die gängige WYSIWYG-Ansicht (Akronym für den Grundgedanken „What You See Is What You Get“) umschalten, in der man dann den Inhalt so sieht, wie er formatiert ist. So sieht man dann Beispielsweise eine Formel als solche und nicht deren TeX-Code. Mehr zur Formatierung und Ausgabe von Formeln findet man hier.

Markdown vs. WYSIWYG

Synchronisation mit IServ

Um die Synchronisation von Joplin mit dem IServ-Server zu aktivieren, muss man als Erstes in den IServ-Dateien einen Ordner mit dem Namen „joplin“ anlegen. Dieser wird dann später genutzt, um in ihm die Notizbücher zu speichern. Dafür muss man im Menü auf der schulischen IServ-Seite auf der linken Seite auf „Dateien“ klicken und dann im Reiter oben nochmals auf „Dateien“ klicken (Wichtig: Nicht auf „Eigene“ oder „Gruppen“ klicken [siehe Bild unten]):

Im nächsten Schritt geht man auf „+Hinzufügen“ und legt einen neuen Ordner an:

Dieser neue Ordner soll dann „joplin“ heißen:

Damit sind die Vorbereitungen bei IServ abgeschlossen und Joplin kann gestartet und eingerichtet werden. In Joplin geht man dann im Menü auf „Werkzeuge“ -> „Optionen“:

In den Optionen muss man dann auf den Reiter „Optionen“ gehen und dort die Synchronisationseinstellungen wie folgt vornehmen:

Das sind die einzustellenden Punkte:

Synchronisationsziel: „WebDAV“

WebDAV-URL: https://gbg-seelze.eu/webdav/joplin (bei einem anderen IServ die Domain entsprechend ersetzen)

WebDAV-Benutzername: vorname.nachname

WebDAV-Passwort: IServ-Passwort

Diese Einstellungen sind dann auch entsprechend in der Android, bzw. iOS-App vorzunehmen. Hat man dieses gemacht, kann man seine Unterrichtsplanungen komfortabel auf unterschiedlichen Endgeräten betrachten und bearbeiten.

Das Ringen amerikanischer Großkonzerne um die Vorherrschaft im Klassenraum

Microsoft bietet sein Office-Paket „Office 365“ als Webversion für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrkräfte kostenlos an. Google stellt mit seiner Software „Google Classroom“ ebenfalls eine für Schulen kostenlose Internetplattform zur Erstellung von Dokumenten und zum gegenseitigen Austausch zur Verfügung. Apple versucht mit seinem vor wenigen Tagen vorgestellten neuen preiswerten 9,7″ iPad ebenfalls auf dem Bildungsmarkt Fuß zu fassen.

Diese amerikanischen Großkonzerne bieten mitnichten ihre Dienstleistungen aus reinem Interesse an digitaler Bildung kostenlos an, sondern sie sind in erster Linie darauf bedacht, möglichst früh neue Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen, die dann aus Bequemlichkeit der Software, mit der sie als erstes gearbeitet haben, ein Leben lang treu bleiben.

Die amerikanische Journalistin Natasha Singer bringt dieses in ihrem am 13. Mai 2017 in der New York Times erschienenen Artikel „How Google Took Over the Classroom“ pointiert auf den Punkt, in dem sie die Nutzung der Google Dienste mit folgenden Worten kommentiert:

„Schools may be giving Google more than they are getting: generations of future customers“.

In Deutschland ist die Nutzung von Google Classroom noch wenig verbreitet, dafür besteht, wie die ARD-Dokumentation „Das Microsoft-Dilemma“ (abrufbar bis zum 19.05.2018) hervorragend zeigt, eine große und einseitige Abhängigkeit von Microsoft.

Im Bereich des mobilen Lernens besteht derzeit die große Gefahr, dass sich Schulen in Deutschland in eine ähnliche Abhängigkeit von Apple begeben. Zumal Medienkompetenz vielfach in der Medienberichterstattung und bedauerlicherweise auch bei Schulträgern, Medienzentren und sogar an Schulen mit der Einführung von iPad-Klassen gleichgesetzt wird.

Wir sollten an unseren Schulen nicht das Ziel haben, unsere Schülerinnen und Schüler zu willfährigen künftigen Kunden von Microsoft, Google oder Apple zu erziehen, sondern wir sollten ihnen zeigen, dass mit Open-Source-Software eine Alternative zum herrschenden Softwareoligopol besteht. Ferner sollten wir es nicht zulassen, dass Google, Apple und Microsoft in den Schulen Daten über das Nutzungsverhalten unserer Schülerinnen und Schüler sammeln, mit denen sie dann Marketing betreiben können.

Unser „GBG-Linux“ sammelt keinerlei Daten und es stellt eine Alternative zu den Systemen von Google, Apple und Microsoft dar.

Anforderungen an Mobilgeräte im schulischen Umfeld

Auf Grundlage unseres schulischen Medienbildungskonzeptes lassen sich folgende Anforderungen an ein Mobilgerät im Schuleinsatz stellen:

  • Betriebssystem als freie Software
  • Gute Reparierbarkeit und lange Einsatzdauer der Geräte
  • Hohe Stabilität der Geräte
  • Keine dauerhafte Speicherung von Dateien auf den Geräten
  • Löschung aller personenbezogener Daten bei einem Neustart
  • Einfache Administration der Geräte
  • Schutz vor Softwaremanipulation durch Schülerinnen und Schüler („Das Gerät darf durch Schülerinnen und Schüler nicht ‚verstellt‘ werden können.“)
  • Handlich und leicht
  • Gute Tastatur für die Eingabe von längeren Texten
  • Kurze Zeitspanne zwischen Einschalten und betriebsbereitem Zustand
  • Austauschbarer Akku

Diese Anforderungen werden am besten von einem gebrauchten Business-Notebook erfüllt, da diese in der Regel über hochwertige und stabile Gehäuse verfügen und eine Ersatzteilversorgung ebenfalls gewährleistet ist. Zudem werden diese Geräte in der Regel so gestaltet, dass sie durch Fachhändler repariert werden können. Infrage kommen dabei zum Beispiel Geräte der ThinkPad-x230/240-Serien von Lenovo oder Dell Latitude E6230.

Die Aspekte der Reparierbarkeit sowie die Tatsache, dass der Akku austauschbar ist, spielt für unserer Schule auch vor dem Hintergrund einer neuerlichen Bewerbung um die Auszeichnung als „Umweltschule in Europa/Internationale Agenda 21-Schule“ eine besondere Rolle. Gerade Tablet-Lösungen mit fest verklebten Akkus sind nicht nachhaltig und stehen in direktem Widerspruch im Bemühen um umweltfreundliches Verhalten.

Softwareseitig lassen sich die Anforderungen durch Anpassen der GNU/Linux-Distribution Ubuntu erzielen. Wie sich dieses im Einzelnen konkret realisieren lässt, werde ich in einem folgenden Blogeintrag vorstellen.